Was Ihre Wortwahl mit joggen zu tun hat

Die Läuferinnen und Läufer drehen ihre Joggingrunden. Ein eindeutiges Zeichen, nun hat der Frühling Einzug gehalten.

Ob ich wohl auch joggen soll? Ich spazierwandere lieber und konzentriere mich auf Gehirnjogging. Seit einigen Monaten stelle ich mich einer besonderen Herausforderung – ich vermeide das Wort „nicht“.

Ich hatte meinen Job gekündigt. Vieles spielte eine Rolle dafür. Ich sollte also wissen, was ich nicht mehr wollte. Doch, wusste ich das?

Die Erkenntnis kam nach einiger Zeit, als ich keinen Druck hatte, morgens in die Firma zu müssen. Ich stellte bei meinen Überlegungen fest: sage ich weiterhin, dass ich das nicht mehr will, bleibe ich in der Grübelspirale.

Etwas „nicht mehr wollen“ – heißt das nun, ich will es, oder heißt es, ich will es nicht – mein Gehirn und ich waren verwirrt, ohne der Antwort näher gekommen zu sein. Dasselbe passiert mir übrigens, wenn ich mir fest vornehme, den Geburtstag von Anne nicht zu vergessen. Eigentlich sollte mir das nämlich nicht passieren – sie hat am 3. Oktober Geburtstag, vergisst meinen Geburtstag nie und, da ich mir eine Erinnerung ins Handy schreibe, vergesse ich sicher nicht, sie anzurufen.

Passiert mir trotzdem. Jedes Jahr wieder. Es scheint mit dem Wort „nicht“ zu tun zu haben.

Ein weiteres Puzzleteil zur Erkenntnis fand ich als mir bewusst wurde, dass mein Gehirn das Wort „nicht“ schlichtweg ignoriert. So wie andere ignorieren, dass ihre schlechte Laune keinem hilft – weder ihnen noch anderen.

Mein Gehirn ignoriert demnach das Wort „nicht„. Das ist eine starke Nummer.

Wie sollte und vor allem wollte ich damit umgehen? Ich recherchierte über das Gehirn. Lebewesen bestehen im Westlichen aus Knochen, die bei Erwachsenen relativ statisch sind; aus Muskeln, die trainier- und ausbaubar sind; und aus dem Gehirn. Wenn dieses weder zu den Knochen, noch zu den Muskeln zählt, tragen wir es ohne Funktion umher?

[wp-svg-icons icon=“rocket“ wrap=“i“] Das Gehirn fasziniert die Wissenschaft und wirft noch immer viele Fragen auf. Gesichert scheint, dass es sich ähnlich den Muskeln verhält. Strengt der Mensch es an, trainiert es, stellt es vor Herausforderungen – bleibt das Gehirn mindestens auf dem bestehenden Niveau. Es findet neue Wege, Lösungen und entwickelt Ideen. Außerdem baut es die Datenautobahn im Kopf um, aus oder zurück – je nachdem wie stark bzw. oft die einzelnen Denk-Straßen benutzt werden. Abzweigungen, Abkürzungen – alles bietet sein Baurepertoire. Zusammengefasst wird diese Meisterleistung als Lernen. In Stresssituationen scheint sich ein Stau zu bilden, der Körperreaktionen wie Sprechen, Greifen und andere verlangsamt oder ausbremst. Wie im Sport unterstützt kontinuierliches Training eine bessere Aktions- und Reaktionsfähigkeit.

Führen wir zusammen: mein Gehirn ignoriert das Wort „nicht“  [wp-svg-icons icon=“plus“ wrap=“i“]  es ist überaus lernfähig [wp-svg-icons icon=“arrow-right-2″ wrap=“i“]  ich startete also mein Training: Ich vermeide, das Wort „nicht“ in meine Sätze einzubauen.

Es überrascht Sie sicherlich kaum, dass Ihre und meine Wortwahl nach außen wirken. Fordere ich mich selbst, vermeide das Wort „nicht“, nimmt mich meine Umwelt als positiv denkend und positiv ausstrahlend wahr. Keine Sorge, ablehnende Sachverhalte oder negative Emotionen können trotzdem sehr klar und eindeutig kommuniziert werden. Das erfordert mitunter gelegentlich Mut. Zu sagen, „das Ergebnis deiner Arbeit finde ich nicht gut“ scheint leichter zu sein als zu sagen „das Ergebnis ist suboptimal.“ Der Ton und die Körpersprache machen dabei die Musik.


Ich lade Sie zum Joggen auf Ihrer Gehirn-Datenautobahn ein. Probieren Sie doch einmal aus wie sich Ihr Außenauftritt und Ihre Merkfähigkeit verändern, wenn Sie das Wort „nicht“ vermeiden. Oft wirkt es positiv. Mit viel weniger Anstrengung. In diesem Sinne viel Erfolg bei Ihrer persönlichen Wort-Wahl-Challenge.

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