Entscheidungen treffen – nein, danke? Hilfreiche Methoden zur Entscheidungsfindung

Sie kennen es, ich kenne es, jede und jeder kennt es. Muss es tun, will es tun – Entscheidungen treffen.

Tagtäglich treffen wir unzählige Entscheidungen. Schon morgens: Tee oder Kaffee. Blaues Kleid oder grünes Hemd. Doch, muss das wirklich sein? Und wie viele Entscheidungen sind täglich zu treffen?

Auf diese Frage liefert Yahoo 1.090.000, Google 301.000 Ergebnisse. Ob die eine oder die andere Suchmaschine in Summe die relevanteren Ergebnisse ausgibt, prüfe ich nicht. Die ersten 3 – 7 Ergebnisse sind für eine Antwort ausreichend.

Wie viele Entscheidungen trifft ein Mensch täglich? Raten Sie einfach. Die Lösung finden Sie am Ende des Artikels.

a) 100.000 b) 5.000 c) 20.000

Jetzt schießt Ihnen durch den Kopf, ich setze mich erstmal auf meine Hände und denke darüber nach? Grundsätzlich eine hervorragende Idee.
Wenden Sie eine der nachfolgenden Methoden an – Sie können mit wenig Investition Ihre Entscheidungsbasis strukturiert bauen und anschließend entscheiden.

Pro-Kontra-ListePro-Kontra-Liste / auch: Plus-Minus-Liste:
Schreiben Sie in der einen Spalte alle Argumente untereinander auf, die für die Entscheidung in die eine Richtung und in der anderen Spalte die Argumente, die gegen die Entscheidung in diese spezielle Richtung sprechen. Nehmen Sie alles auf, selbst wenn es Ihnen im ersten Moment irrelevant erscheint. Da Ihnen dieser Gedanke kommt, führt Sie Ihre Intuition meist auf den richtigen Weg. Können Sie die Auswirkungen eines Aspekts (noch) nicht abschätzen, nehmen Sie diesen in beide Spalten auf.

Alternativ schaffen Sie die dritte Spalte „interessant“. Dort notieren Sie Fragen zu diesem Thema, die Sie noch klären wollen. Somit haben Sie eine Pro-Kontra-Interessant-Liste (PKI / auch: PMI) geschaffen.

Im nächsten Schritt gewichten Sie Ihre Argumente.
Bewerten Sie diese zwischen sechs und eins. Schreiben Sie zu den einzelnen Plus- und Minusaspekten die entsprechende Punkteanzahl je nach der Bedeutung des Aspekts hinzu. Sechs Punkte bedeutet „sehr wichtig“ und ein Punkt „unwichtig“.

Zählen Sie alle Punkte der Plusaspekte und alle der Minusaspekte zusammen. Ziehen Sie das Ergebnis der Minusaspekte von dem der Plusaspekte ab.

Ist das Ergebnis… …lautet die Antwort auf Ihren Entscheidungsbedarf:
größer Null ja
kleiner Null nein
gleich Null unentschieden

Diese Methode heißt „Entscheidungsmatrix“.


Ein eher schöpferisch-strukturierter Lösungsansatz ist die praktische VRQ-Methode nach Walt Disney:

Stellen Sie drei Stühle mit etwas Abstand zueinander im Raum auf, schreiben Sie z.B. auf Moderationskarten folgende Eigenschaften und befestigen Sie diese den Stühlen:

chairs-setzen-traumer-vision-realist-qualivisionär

realistisch

qualitativ

Indem Sie die Stühle personifizieren und ihnen Eigenschaften geben, fällt es Ihnen leichter, die einzelnen Eigenschaften bewusst aufzurufen und dadurch Argumente für/gegen die Entscheidung zu finden.

Formulieren Sie, falls noch nicht geschehen, Ihre Fragestellung bzw. Ihren Entscheidungsbedarf. Mit einem Stift bringen Sie Ihre Gedanken direkt auf Block oder Flipchart. Optimalerweise lässt sich das Flipchart auf Sitzhöhe einstellen, damit Sie auf dem jeweiligen Stuhl sitzen bleiben können.

Nehmen Sie nun auf dem „visionär“ Stuhl Platz. Erlauben Sie sich, dass Sie groß denken, ohne Limits, ohne negative Gedanken, warum und weshalb Ihre Idee nicht funktionieren kann. Träumen Sie. Spinnen Sie Ideen. Das Bewerten kommt später. Auf dem „visionär“ Stuhl können Sie alles positiv erdenken.

Erscheint Ihr Visionär-Fundus erschöpft und alles wurde notiert, setzen Sie sich auf den nächsten, den „realistisch“ Stuhl.

Stellen Sie sich die Fragen:

  • Was muss ich tun, was sagen?
  • Was benötige ich für die Umsetzung an Material, Menschen, Wissen, Techniken?
  • Was fühle ich bei dieser Idee? Wie fühle ich mich mit dieser Idee? Bleiben Sie ganz entspannt, die kritische, objektive Betrachtung findet erst auf dem nächsten Stuhl statt.
  • Welche Grundlagen für das Realisieren dieser Idee(n) sind bereits vorhanden?
  • Kann ich den Ansatz testen?

Nehmen Sie sich die Zeit und Sie testen gedanklich jede Idee. Manche auf den ersten Blick vermeintlich unrealistische Ideen entwickeln sich als hilfreich für die Entscheidungsfindung.

Der Qualitätscheck erfolgt, sobald Sie sich auf den dritten Stuhl setzen. Analysieren Sie wertschätzend:

  • Was könnte verbessert werden?
  • Wo sind Chancen und Risiken?
  • Habe ich an alles gedacht, was habe ich eventuell übersehen?
  • Was denke ich über die einzelnen Ideen?

Sie kontrollieren sich, berücksichtigen Ihre strategischen Denkansätze und Ihre Organisation.

Die VRQ-Methode können Sie ebenfalls im Team durchführen; das bringt zusätzlich Perspektiven und kann durch eine konstruktive Diskussion neue Aspekte hervorbringen.

Es gibt einige weitere Methoden zur Entscheidungsfindung. Sie können sie eigenständig recherchieren oder Sie erlernen diese demnächst mit mir bei einem KVP-Webinar oder Seminar.

Für noch bessere, einfachere und umfassendere Entscheidungen in Ihrem Unternehmen und Ihrem Privatleben. Schließlich wollen wir alle Verschwendung vermeiden: Verschwendung von Zeit, von Energie, von Umwegen durch unternehmerischen Entscheidungen, die erneut getroffen werden müssen, weil die theoretische Einschätzung anders war als die Praxis.

Mit den vorgestellten Methoden treffen Sie künftig Entscheidungen noch bedachter und strukturierter.
Sie schaffen das!
Als Einzelne/Einzelner sowie in der Gruppe.

Ich wünsche Ihnen mit intuitiv-methodischem Vorgehen eine entscheidungsfreudige Woche.

Beste Grüße,
Ines Birkholz


Lösung: c) und a). Wissenschaftler, beispielsweise der Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel sprechen von 20.000 Entscheidungen pro Tag, andere Quellen von bis zu 100.000. Zählen Sie einmal mit, wie viele Entscheidungen Sie tagtäglich treffen 😉


PS: Wussten Sie, dass Entscheidungen von scheinbar banalen Faktoren beeinflusst werden? Vom Wetter, dem Beziehungsstatus und vom Hunger. Das Denken und weitreichende Entscheidungen treffen braucht Energie. Mit hungrigem Magen will das Gehirn eine schnelle, kurzfristige Entscheidung mit prompter Belohnung treffen. Es vernachlässigt dabei mögliche Alternativen und die langfristigen Auswirkungen. Essen Sie sich daher zuerst satt und treffen anschließend Ihre unternehmensweisenden Entscheidungen.

Kommentare sind geschlossen